Mauern in den Köpfen einreißen...

IN-BETWEEN

Menschen zwischen den Geschlechtern

Wirtschafts- und Organisationspsychologie

Tabu-Thema "Transidentität im Beruf"

Abweichende Geschlechtsidentität oder Transidentität wird oft als ein Problem einer unrelevante Minderheit abgetan. Doch es sind mehr Menschen davon betroffen, als Sie glauben...

Auf dieser Webseite finden Sie umfangreiche Informationen zur Studie "Abweichende Geschlechtsidentität - Prävalenz, Auswirkungen und Verhalten im beruflichen Umfeld". Die Studie belegt, dass die Anzahl der Menschen, welche mit ihrem anatomischen (biologischen) Geburtsgeschlecht nicht einverstanden sind, deutlich höher ist, als allgemein vermutet wird. Die vorliegende Studie untersuchte Transidentität im beruflichen Umfeld.

Durchführung

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Um das Verhalten von Unternehmen gegenüber ihrer Belegschaft und die daraus resultierenden beruflichen Perspektiven eines Individuums innerhalb einer Organisation zu verstehen, wurde zunächst auf verschiedene theoretische Erklärungsansätze (Theorien) und bestehende empirische Daten zurückgegriffen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden mit einer eigenen Erhebung überprüft. Zunächst war beabsichtigt, mittels Experten-Interviews die theoretischen Ansätze, die Problemstellung und folglich auch die Forschungsfragen zu beantworten. Erste Gespräche haben jedoch gezeigt, dass die Gesprächspartner nicht nach ihrer persönlichen Einstellung geantwortet haben, sondern fast ausschließlich Antworten nach sozialer Erwünschtheit gegeben wurden. Nach dieser Erkenntnis wurde entschieden, die Vorgehensweise zu ändern und eine empirische Untersuchung mittels einer anonymen Online-Befragung durchzuführen.

Die Studie wurde im Zeitraum vom 22.10.2014 bis 19.12.2014 durchgeführt. Die anonyme Online-Umfrage enthielt insgesamt 40 Fragen und gliederte sich in drei Themenbereiche:

- Allgemeine Informationen

- Personalauswahl und -entscheidung

- persönliche Einstellung und Meinung

Vorgehensweise

Wie wurden die empirischen Daten generiert?

Die anonyme Online-Umfrage wurde per E-Mail an folgende Personenkreise kommuniziert:

- 680 Personen aus Rotary Clubs in Deutschland

- 102 Personen aus den geschäftlichen Kontakten


Des Weiteren wurde die Online-Umfrage über die Internetplattform Xing.de in div. Gruppen und Foren kommuniziert.

Die Fachzeitschrift „Psychologie Heute“ hat sich bereit erklärt, die Umfrage auf der Internetseite www.psychologie-heute.de zu veröffentlichen.

Der LSVD unterstützte die Umfrage ebenfalls durch Veröffentlichung auf der Internetseite www.lsvd.de.

Die anonyme Online-Umfrage wurde unter der URL wop.Lenabalk.de bereitgestellt. Im genannten Zeitraum haben sich insgesamt 330 Personen an der Umfrage beteiligt. Davon haben 138 Personen alle Fragen beantwortet und 192 Teilnehmer_innen haben Fragen nur teilweise beantwortet.

Personenkreis

Welche Personengruppe wurde untersucht?

In dieser Untersuchung spielt die „echte Transsexualität“ zwar eine Rolle, jedoch konzentriert sich die Studie primär auf die Personen, welche sich nicht geschlechterrollenkonform darstellen und verhalten bzw. sich selbst nicht einem eindeutigen Geschlecht zuordnen können oder wollen. Sie entsprechen somit nicht dem allgemeinen Verständnis von einem „typischen Mann“ und einer „typischen Frau“.

Wie sich Unternehmen gegenüber diesen Personen im beruflichen Umfeld verhalten, war ein wesentlicher Teil dieser Arbeit und der Forschungsfragen.

In den hier gemachten Ausführungen werden diese Personen, welche nicht in ihrem genetischen bzw. biologischen Geschlecht leben wollen oder eine andere Lebensweise zwischen den Geschlechtern „Frau“ und „Mann“ vorziehen, als Menschen bzw. Personen mit abweichender Geschlechtsidentität oder als transident bezeichnen.
Zur Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten wird der sog. Gender Gap „_“ (Unterstrich) zwischen maskuliner und femininer Endung eines Wortes verwendet.
Die Farbgebung zur Unterscheidung der Geschlechter in grafischen Darstellungen orientiert sich an den von Heller (1989) als allgemein mit den Geschlechtern assoziierte Farben Rosarot bzw. Pink für „weiblich“ und Hellblau bzw. Blau für „männlich“.

Stuttgarter Erklärung - Geschlecht. Selbst. Bestimmt.

Menschenrechtskonforme Behandlung von Trans-/Intersexualität

Am 24.01.2015 – 25.01.2015 traf sich eine Gruppe von Ärzten, Psychotherapeuten, Menschenrechtlern und betroffenen Menschen im Zentrum Weißenburg in Stuttgart um die „Stuttgarter Erklärung“ zu verfassen.

Diese Erklärung kann unter www.geschlecht-selbst-bestimmt.de mit unterzeichnet werden.

Weltweit zeichnet sich ein menschenrechtlicher Trend ab, Menschen mit so genannten „geschlechtlichen Normabweichungen”, wie transsexuelle und intersexuelle Menschen, in ihrem eigentlichen Geschlecht, das vom standesamtlich eingetragenen abweichen kann, auch rechtlich anzuerkennen. Dänemark folgte als erstes Land in Europa dem Vorbild Argentiniens, die rechtliche Anerkennung nicht mehr von medizinischen Bedingungen abhängig zu machen. Auch das Bundesverfassungsgericht in Deutschland hatte 2011 Teile des “Transsexuellengesetzes” als nicht verfassungskonform erachtet, in denen körperliche Voraussetzungen für die Änderung des Personenstandes vorgeschrieben wurden.

Die medizinisch- therapeutische Versorgung von Menschen mit so genannten „geschlechtlichen Normabweichungen” hat auf diesen Trend zu reagieren. Die heutige medizinisch- therapeutische Behandlung und Begleitung, die seit den 70er-Jahren von der Idee einer “Gender Dysphorie” ausgeht, lässt Menschenrechtsaspekte zu kurz kommen und verwischt die Unterschiede von Sex und Gender. Menschen mit so genannten „geschlechtlichen Normabweichungen” brauchen jedoch eine medizinische Behandlung, die ohne geschlechtliche Deutung auskommt und in der sie in ihrem eigenen Geschlecht von Anfang an respektiert werden. Wenn diese Menschen medizinische oder psychotherapeutische Maßnahmen wünschen, brauchen sie eine gesundheitliche Versorgung und Diagnostik, die diesen Umstand berücksichtigt.

Aber auch jetzt schon können wir uns für eine Medizin stark machen, die ohne Gender-Deutung auskommt und sich auf das konzentriert, worum eigentlich gehen sollte: Menschen zu helfen und ihnen die Behandlung zukommen zu lassen, die sie benötigen.

Eine medizinische Behandlung, die transsexuellen, intersexuellen und allen von geschlechtlichen Normen abweichenden Menschen hilft, und das Wohl des Einzelnen in den Vordergrund stellt, ist möglich.

Mit der vorliegenden Erklärung wollen wir ethische und menschenrechtliche Aspekte des respektvollen Umgangs im Bereich der Medizin, Psychotherapie, Beratung und Begleitung mit transsexuellen, intersexuellen und allen von geschlechtlichen Normen abweichenden Menschen aufzeigen und erklären, was möglich und notwendig ist, um sinnvolle Hilfe und Unterstützung, sowie respektvollen Umgang miteinander möglich zu machen.

Quelle: www.die-erklaerung.de (Übernommen am 30.09.2015)

Nähere Informationen finden Sie unter: www.die-erklaerung.de

Grundlegende Begriffe
und Quellen

Die nebenstehenden Begriffe sind überwiegend aus den „SAP-Richtlinien für die Geschlechtsangleichung“ entnommen und wurden von mir persönlich ergänzt bzw. gekürzt. Die Begriffe sind immer auch vor dem Hintergrund der Individualität einer Person zu betrachten und für das Verständnis dieser Studie wichtig.

Für diese Studie wurden umfangreichge wissenschaftliche Recherchen durchgeführt. Die genutzten Quellen finden Sie ebenfalls hier.