Einleitung

Der Genuss eines jeden gesetzlich niedergelegten Rechtes ist ohne Diskriminierung insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt oder eines sonstigen Status zu gewährleisten.

Europäische Menschenrechtskonvention
Artikel 1 – Protokoll Nr. 12 zur Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten über das Diskriminierungsverbot vom 04.11.2000

Die Erweiterung der Europäischen Menschenrechtskonvention aus dem Jahr 2000 verpflichtet alle Bürgerinnen und Bürger von Europa zur Wahrung der grundlegenden Menschenrechte. Wir alle wissen, dass dies noch nicht in allen Lebenslagen umgesetzt und gelebt wird. Das Geschlecht einer Person wird in der Menschenrechtskonvention an erster Stelle aufgeführt. Dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, ist dennoch noch nicht überall selbstverständlich. Bei Löhnen und Gehältern stehen Frauen noch immer hinter Männern zurück, trotz gleicher Arbeit.
„Der Schutz von LGBT (LGBT: Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender – Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender) Personen vor Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf ist EU weit fest verankert. Die Richtlinie zur Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (Richtlinie 2000/78/EG) verbietet die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung, während die Richtlinie zur Gleichstellung von Männern und Frauen (Neufassung) (Richtlinie 2006/54/EG) in ihrer Auslegung entsprechend der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) auf die Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität im Hinblick auf Transgender Personen anwendbar ist, die sich einer Geschlechtsangleichung unterziehen möchten, unterziehen oder unterzogen haben.“ (FRA, 2014, S. 16)

Sehen wir ein Neugeborenes, ist meist die erste Frage an die Eltern: „Was ist es denn? Ein Junge oder ein Mädchen?“. Die Gesetze schreiben vor, dass aus dem Namen eines Menschen eindeutig das Geschlecht zu erkennen sein muss. Es fällt uns i. d. R. nicht schwer, das Geschlecht einer uns unbekannten Person sofort richtig zu bestimmen. Das Geschlecht scheint als soziale Kategorie eine bedeutende Rolle zu spielen. Es dient uns als ein grundlegendes Organisationskriterium und stellt eine Komponente des menschlichen Selbstkonzepts dar. Es ist jedoch allgemein bekannt, dass es eine Vielzahl von Menschen gibt, die sich nicht ihrem biologischen Geburtsgeschlecht zugehörig fühlen können oder wollen. Verfolgt man Berichte in Fernsehen und Printpublikationen, wird in der Regel von Transsexuellen oder Transgender gesprochen. Das Soziale Netzwerk Facebook bietet seinen Mitgliedern bei der Profileinstellung an, das Geschlecht zu wählen. Seit September 2014 können die Mitglieder nicht nur die traditionellen Kategorien „weiblich“ oder „männlich“ auswählen. Mit der Option „Benutzerdefiniert" werden die nachfolgenden 60 Auswahlmöglichkeiten zur Festlegung der eigenen geschlechtlichen Identität angeboten:

Quelle: Facebook, www.facebook.de

androgyner Mensch, androgyn, bigender, weiblich, Frau zu Mann (FzM), gender variabel, genderqueer, intersexuell (auch inter*), männlich, Mann zu Frau (MzF), weder noch, geschlechtslos, nicht-binär, weitere, Pangender, Pangeschlecht, trans, trans-weiblich, transmännlich, Transmann, Transmensch, Transfrau, trans*, trans* weiblich, trans* männlich, Trans* Mann, Trans* Mensch, Trans* Frau, transfeminin, Transgender, transgender weiblich, transgender männlich, Transgender Mann, Transgender Mensch, Transgender Frau, transmaskulin, transsexuell, weiblich-transsexuell, männlich-transsexuell, transsexueller Mann, transsexuelle Person, transsexuelle Frau, Inter*, Inter* weiblich, Inter* männlich, Inter* Mann, Inter* Frau, Inter* Mensch, intergender, intergeschlechtlich, zweigeschlechtlich, Zwitter, Hermaphrodit, Two Spirit drittes Geschlecht, Viertes Geschlecht, XY-Frau, Butch, Femme, Drag, Transvestit, Cross-Gender

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/digital/neue-funktion-in-deutschland-facebook-laesst-nutzer-aus-geschlechtsidentitaeten-waehlen-1.2116073, Abruf 29.09.2014

Dass ein Soziales Netzwerk mit vielen Millionen Mitgliedern das Thema „Geschlechtsidentität“ aufgreift und als Einstellungen in den Benutzerprofilen anbietet, zeigt, dass es wohl eine nicht unerhebliche Anzahl (Olyslager, F./Conwa, L. (2008), Transseksualiteit komt vaker voor dan u denkt, Tijdscchrift voor Gen-derstudies, 2008 Nr. 2) von Menschen gibt, die sich nicht einem der beiden biologischen Geschlechtern „Frau“ oder „Mann“ zugehörig fühlen und dass es „zwischen den Geschlechtern“ wiederum eine große Anzahl von verschiedenen Ausprägungen geben kann. Diese Personen, welche zwischen den biologischen Geschlechtern „Frau“ und „Mann“ im beruflichen Umfeld existieren, werden im Fokus dieser Arbeit stehen.



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