Geschlechtsidentität gleich sexuelle Oreintierung?

Die Geschlechtsidentität eines Menschen wird im allgemeinen Gebrauch oft mit der sexuellen Orientierung gleichgesetzt: Transsexuell = Homosexuell. Zum Verständnis des eigentlichen Sachverhalts dieser Master-Thesis erachte ich es darum für notwendig, dieses „Missverständnis“ zu klären. Zur wissenschaftlichen Definition der Begriffe „Transsexuell“ bzw. „Transident“ wird hierfür aus dem Buch „Anne wird Tom – Klaus wird Klara“ von Prof. Udo Rauchfleisch zitiert, da dessen Erklärung die Begriffe sehr treffend und verständlich deutlich beschreibt:

“Im Allgemeinen hören Sie die Begriffe »Transsexualität« und »Transsexualismus«. Dies sind die üblichen Begriffe in der öffentlichen Diskussion, aber auch im wissenschaftlichen Bereich…Die Bezeichnung »Transsexualität« trifft jedoch nicht das Wesen dieser Menschen, da es ihnen nicht um die sexuelle Ausrichtung oder die Art, wie sie ihre Sexualität leben, geht, sondern um ihre Identität. Aus diesem Grund wird in neuer Zeit, auch unter Fachleuten, eher der Begriff »Transidentität« verwendet, den auch ich bevorzuge… Bei der Beschreibung sogenannter »transidenter Menschen« wird in psychologischen und psychiatrischen Berichten häufig von »Frau-zu-Mann«- bzw. von »Mann-zu-Frau«-Transidenten gesprochen. Durch »Mann-zu-Frau« soll ausgedrückt werden, dass ein biologischer Mann sich als Frau wahrnimmt und die Angleichung an den weiblichen Körper wünscht. »Frau-zu-Mann« dient der Beschreibung dessen, dass eine biologische Frau sich als Mann empfindet und die Angleichung an den männlichen Körper sucht. Im Grunde widersprechen diese Bezeichnungen aber dem Erleben transidenter Menschen. Aus ihrer Sicht machen sie nämlich keine Veränderung von Mann zu Frau oder von Frau zu Mann durch, sondern sind von jeher im Inneren Frau bzw. Mann gewesen und möchten nun »nur noch« den Körper an diese Identität anpassen lassen und in der dieser Identität entsprechenden Rolle leben“

Quelle: Rauchfleisch (2013, S. 6f)

Unter sexueller Orientierung wird verstanden, zu welchem Geschlecht sich ein Mensch hingezogen fühlt. Asendorpf/Neyer (2012, S. 341) beschreiben die sexuelle Orientierung, ob die sexuelle Erregung durch einen Menschen des anderen Geschlechts (Heterosexuell) des gleichen Geschlechts (Homosexuell) oder durch beide Geschlechter (Bisexuell) erfolgt.

Wie eingangs erwähnt, soll die sexuelle Orientierung eines Individuums nicht Inhalt dieser Arbeit sein. Jedoch wird sich zeigen, dass die sexuelle Orientierung nicht ganz unbeachtet bleiben kann. Personen, welche die vorgenannten Unterscheidungen nicht kennen, urteilen meist nach ihrer Augenscheinnahme und meist unterbewusst nach Stereotypen. Sie sehen z. B. einen (transidenten) Mann, welcher sich zu einem anderen Mann hingezogen fühlt. Die Transidentität des ersten Mannes ist für sie zunächst nicht für ihre Kategorisierung präsent (Es wird später in den Ausführungen auf diese stereotype Kategorisierung eingegangen). Für sie erscheint es, dass ein Mann mit einem Mann sexuell verbunden ist. Man neigt dazu, diese beiden Männer als „schwul“ oder „Homosexuelle“ zu bezeichnen. Da der transidente Mann sich jedoch selbst als Frau fühlt und sieht ist für ihn die Beziehung vollkommen „normal“, also „heterosexuell“.

Der Comedian Sam Killermann hat in seinem Buch „The Social Justice Advocate’s Handbook: A Guide to Gender“ die Unterscheidung zwischen Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck, biologischem Geschlecht und sexueller Orientierung in Form einer „gebackenen Person“ (s. Abbildung 6, S. 27) dargestellt. Diese etwas kindliche Darstellung erfüllt mit Sicherheit nicht wissenschaftliche Ansprüche, verdeutlicht aber sehr gut, aus welchen „Komponenten“ – bezogen auf das Geschlecht – eine Person besteht. Killermann setzt seine „Genderbread Person“ aus den Komponenten

• Identity (Identität)
• Gender Expression (Geschlechtsausdruck, Aussehen)
• Biological Sex (biologisches Geschlecht, innere und äußere Geschlechtsmerkmale) und
• Sexual Orientation (sexuelle Orientierung)

zusammen. Zugleich verdeutlicht die Illustration der „Genderbread Person“, dass die Identität, und somit auch die Geschlechtsidentität, eine Konstruktion ist, welche im menschlichen Gehirn vorhanden ist bzw. entsteht.

Quelle: Genderbread Person aus Killermann, Sam "The Social Justice Advocate's Handbook: A Guide to Gender" – www.guidetogender.com

[1] Quelle: http://www.guidetogender.com (Abruf: 30.10.2014)



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